Seit dem 31. Dezember des vermaledeiten Jahres 2020 wird der Adobe Flash Player nicht mehr unterstützt. Kurz darauf wurde die Ausführung des Players blockiert und spätestens seitdem ein Windows Update das Tool vollständig entfernt, ist es gestorben. Ein Nachruf.

Am 1. Januar 1996 wurde der Adobe Flash Player zur Welt gebracht und war ein Vierteljahrhundert damit beschäftigt Multimedia-Inhalte anzuzeigen. Aber seien wir doch ehrlich: Das war gar nicht sein Hauptaufgabengebiet.

Nein, dieses kleine, aber feine Tool hat uns vor allem eines gelernt: Geduld, Gelassenheit und die Fähigkeit Diskussionen zu führen. Warum? Nun, der Flash Player musste gefühlt bei jedem Systemstart von Windows aktualisiert werden. Und das konnte dann mindestens eine gefühlte, manchmal gar eine tatsächliche Ewigkeit dauern. Das lernte Geduld und Gelassenheit, und viele alte PC-Hasen fragen sich: Wie sollen diese Fähigkeiten jetzt unsere Kinder noch lernen?

Auch die Diskussionskultur wurde gefördert, denn jeder wusste natürlich am besten wie dieses allgegenwärtige Update-Problem aus der Welt geschafft werden konnte. „Du musst den Player in der Firewall verbieten“, „Ach Quatsch, Du musst die Updateaufforderung in der msconfig deaktivieren“, „Schalte das Ding doch einfach im Autostart ab“. Ach, was werden uns diese Gespräche fehlen!

Wirklich gewürdigt wurde das Programm nach seinem Absterben allerdings nur in China. Dort hat eine Firma 20 Stunden lang keine Züge fahren lassen, um unserem hassgeliebtem Flash Player nochmals die letzte Ehre zu erweisen. Getarnt wurde das als peinliches Versagen bei der Deaktivierung der Software-Komponente vom System, aber danielsstachel weiß es besser. Die Ausfalldauer der Züge von genau 20 Stunden beweist, dass es sich hier nicht um einen Fehler handeln kann. Wissen wir doch alle genau, dass genau dies die berühmte Zeitspanne zwischen zwei anstehenden Updates des Adobe Flash Players war.

Ach lieber Flash Player, auch wenn für Dich der letzte Zug abgefahren ist, und Dich der böse Bill Gates von allen Rechnern der Welt entfernen lässt, in unseren Nerven, äh Herzen, lebst Du weiter.

Bild: mdabumusa525