Die Lobbyisten der Fleischindustrie haben wieder mal ganze Arbeit geleistet. Das Ferkelkastrationsgesetz wird nun doch verlängert. Damit dürfen Ferkel auch weiterhin ohne Betäubung kastriert werden.

Im Jahr 2015 wurde ein Ferkel aus Versehen von Veganern zur Schlachtung gebracht, wie danielsstachel exklusiv berichtete. Viele Menschen dachten, dass sie nie wieder von diesem Tier hören würden. Aber das Ferkel meldet sich nun aus dem Himmel zu Wort: „Bei der Gesetzgebung in Deutschland bin ich froh, schon früh in meinem Leben geschlachtet worden zu sein“.

Leider hat das Ferkel überhaupt kein Recht, solche Urteile über unsere Bundesrepublik zu fällen. Wir haben ein Tierschutzgesetz und damit ist doch alles gesagt. Dort ist alles geregelt und es besteht kein Grund für weitere Maßnahmen.

Es ist also durchaus berechtigt Ferkel weiter ohne Betäubung kastrieren zu dürfen. Immerhin entwickeln ja ganze 5 Prozent der Ferkel ohne Kastration später einen strengen Ebergeruch. Wäre ja dann auch schade für diese Tiere, wenn man sie dann nicht mehr schlachten und verzehren könnte. Da die Mehrkosten für eine Kastration unter Narkose oder mit Schmerzmitteln niemand zahlen will, muss man eben zu der kostengünstigen Variante ohne Betäubung greifen.

Zudem ist es sowieso sinnvoll, dass sich die Ferkel früh an Schmerzen gewöhnen. Denn bei den Bedingungen der Massentierhaltung, wo ein ausgewachsenes Schwein mit 110 Kilo gerade mal einen Quadratmeter Fläche erhält, sind doch weitere Verletzungen eh vorprogrammiert.

So berichtet zum Beispiel die Albert Schweitzer Stiftung von Klauenverletzungen, Hautschäden, Atemwegserkrankungen, Bewegungsstörungen, Lähmungen, Herz-Kreislaufversagen, Muskeldegenerationen, Beinschwächesyndrom, Magenschwüre und Ödemkrankheiten als typische Begleiterscheinungen der Massentierhaltung. Da ist doch eine frühe Abhärtung gegen Schmerzen sicher angebracht, nicht wahr?

Und es ist ja auch nicht so, dass sich gar niemand um die Schweine kümmert. Schließlich werden die Tiere ja mit Antibiotika zugeschüttet. Um an solche Medikamente zu kommen müssen Menschen zum Beispiel erstmal zum Arzt und dafür lange Wartezeiten in den entsprechenden Praxen in Kauf nehmen. Und am Ende sogar eine Zuzahlung leisten. Für die Schweine ist das kostenlos und praktisch. Sie müssen ihr Immunsystem dann ja nicht mehr durch Bewegung und Auslauf stärken. Eigentlich beneidenswert, oder?

Somit ist unsere Bundesregierung gut beraten auch weiter auf die Lobbyisten zu hören, statt auf die Tierschützer. Alles andere würde nämlich an unser Geld gehen. Und das wäre dann nun wirklich – Entschuldigung – eine Schweinerei.

Bild: Pixel2013