Soll keiner sagen, dass es ein Trainer einfach hat. Ständig bekommt er die unterschiedlichsten Ratschläge angetragen, die er doch bitteschön umzusetzen hat. Dabei kennt er die Mannschaft aus Trainingslagern, Trainingseinheiten und internen Gesprächen selbst am besten, bringt oftmals jahrelange Berufserfahrung mit und hat einige Erfolge aufzuweisen. Im Normalfall kann er viel besser beurteilen und entscheiden, wie eine Mannschaft auf- und eingestellt wird.

Aber uns sind auch Gegenbeispiele bekannt, in denen Trainer von der „öffentlichen Meinung“ gut beraten worden sind. Denken wir an die WM 2014, als Bundestrainer Joachim Löw nach dem mageren Achtelfinalsieg gegen den Underdog Algerien endlich der öffentlichen Meinung Tribut zollte, im Viertelfinale gegen Frankreich Phillipp Lahm auf die Rechtsverteidigerposition zurückzog und endlich die Doppelsechs mit Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira wiederbelebte. Das Resultat ist längst Geschichte: Deutschland wurde Weltmeister und Joachim Löw am Ende gar Welttrainer.

Ähnliches dürfte auch dem Trainer des VfB Stuttgart, Huub Stevens, in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sein. Sehr groß war die Kritik im Stuttgarter Lager über die Defensivtaktik des Knurrers von Kerkrade. Und die Zahlen geben den Kritikern recht: Die Schwaben haben in keinem der beiden Rückrundenspiele ein Tor erzielt. Der Auftritt in Köln könnte sogar unter dem Begriff „Nichtangriffspakt“ zusammengefasst werden.

Deswegen horchte man jetzt auf am Neckar, als die Pläne für die Mannschaftsaufstellung gegen den Rekordmeister bekannt gegeben wurden. Anders als erwartet wird der VfB mit einem Libero vor statt hinter der Neunerabwehrkette antreten! Sicher ein strategisch kluger Schachzug von Stevens, der weiß, dass man gegen die Bayern nicht zu tief stehen darf. Als I-Tüpfelchen gilt die Besetzung der Liberoposition mit Georg Niedermeier. Der gebürtige Münchener und ehemalige Nachwuchsspieler des kommenden Gegners FC Bayern München kennt seine ehemaligen Kollegen aus dem Eff Eff und wird sicher den ein oder anderen Angriff antizipieren.

Das bedeutet aber auch, dass Martin Harnik erstmal auf der Ersatzbank Platz nehmen muss. Der Österreicher lief zwar in den letzten Spielen als einzige Stuttgarter Spitze auf, seine Qualitäten werden aber in Stevens neuem Offensivsystem erstmal nicht benötigt.