Sehr geehrter Autor,

vor wenigen Minuten habe ich die Lektüre eines Textes beendet, der aus Ihrer Feder stammt. Ich muss es so klar ausdrücken: Ich bin schockiert. In der gerade einmal 15.000 Zeichen fassenden Niederschrift habe ich einen Rechtschreibfehler gefunden. Das ist der Gipfel der Inkompetenz. Ich möchte kurz aufzeigen, in welchen Punkten ich Ihnen fortan jegliche Qualifikation abspreche:

Punkt 1: Rechtschreibung

Das dürfte selbsterklärend sein. Ich war zwar anfänglich davon ausgegangen, dass sich mehr als ein Rechtschreibfehler eingeschlichen hat, aber nach einer Gegenprüfung der fraglichen Stellen mit dem Duden konnte ich Sie zumindest für die anderen Fälle entlasten.

Punkt 2: EDV-Kenntnisse

Es ist für mich völlig unverständlich, dass Sie nicht auf eine Software zurückgreifen, die Ihr Geschriebenes auf Fehler prüft. Ich habe Ihren Text in eine solche Software kopiert. Dort wurde zwar das falsch geschriebene Wort nicht markiert, weil es das Wort in der von Ihnen geschriebenen Form ja gibt und die falsche Rechtschreibung nur im Satzkontext zu erkennen ist, aber ich bin mir sicher, dass es auch Software gibt, die solche Zusammenhänge erkennen und kennzeichnen kann. Dann müssen Sie eben eine Weile nach einer passenden Software suchen.

Punkt 3: Sachkompetenz

Ich vermute, dass Sie das jetzt überraschen wird, aber ich kann meine Kritik auch an dieser Stelle mit einem soliden Argument stützen. Es dürfte nämlich einleuchtend sein, dass ich als Leser nicht davon ausgehen kann einen Text von einem Fachmann zu lesen, wenn dieser nicht einmal in der Lage ist sich in die Deutsche Rechtschreibung einzuarbeiten. Dieser Punkt trifft mich besonders hart, da es sehr schwer ist, für das dem Text zugrunde liegende Thema gute Artikel zu finden. Und in den ersten 5 und in den letzten 8 Absätzen können Sie eigentlich mit sehr guten Erklärungen, logischen Gedankengängen und interessanten Schlussfolgerungen aufwarten.

Punkt 4: Investitionsbereitschaft

Es ist grausam, dass heutzutage niemand mehr etwas Geld in die Hand nehmen möchte. Es wäre sicher ratsam gewesen auf die Dienste eines Lektors zurückzugreifen. Sicherlich sind das Kosten, die ein Autor auch erst mal wieder verdienen muss, aber wenn es der Qualität zuträglich ist, muss das eben sein. Da hilft es mir auch nichts, dass sie den Text kostenfrei online gestellt haben. Ich habe als Leser eben Ansprüche, die erfüllt werden müssen. An dieser Stelle bin ich dann auch nicht mehr bereit ein Buch von Ihnen zu kaufen, dafür haben Sie sicherlich Verständnis.

Punkt 5: Orientierung am Leser

Man kann es nicht wirklich erklären, wieso Sie Ihre Leser nicht im Hinterkopf haben, wenn Sie einen Text publizieren. Bitte vergessen Sie nicht, dass Sie von Menschen wie mir leben. Ich hoffe übrigens, dass es in Ordnung ist, dass ich diese Kritik nicht als Kommentar auf Ihrer Website hinterlasse, sondern eben hier auf dieser Website. Sie werden sicher etwas im Internet gesucht haben um hier her zu finden, aber das kann man ja auch erwarten.

Punkt 6: Sorgfalt

Auch hier sollten keine weiteren Erläuterungen notwendig sein. Falls doch, möchte das jemand bitte an der Stelle ergänzen. Ich kann das jetzt nicht weiter ausführen. Ich habe auch noch andere Dinge zu tun.

 

Hochachtungsfoll

Ein enttäuschter Leser

 

Bild: StockSnap