Die Selbstironie ist tot. Getötet wurde sie vom Zeitgeist, der mit seinen vielen Eigenarten der Selbstironie die Luft zum Atmen genommen hat. Heute müssen alle um jeden Preis stärker, fitter, schöner und besser sein. Für Nuancen gibt es keinen Spielraum.

Früher, als alles noch viel besser war, galt die Selbstironie als ein Zeichen von Stärke und Souveränität. Mit Sätzen wie „Die Nachricht von meinem Tod halte ich für etwas übertrieben“ wurde zu seiner Zeit Mark Twain berühmt. Erklären Sie heute mal jemanden aus Versehen für tot. Sie bekommen gleich eine Verleumdungsklage an den Hals.

Schon lange hat die Selbstironie nur noch so wirklich in gelehrten Kreisen ihr Dasein gefristet. Setzt sie doch, mehr noch als die einfache Ironie, Intelligenz beim Empfänger voraus. Doch auch hier ist unsere geliebte Tugend inzwischen verschwunden, wurde mit Einführung des positiven Denkens langsam aber sicher ihrer Lebensenergie beraubt.

Auch der vorbildlich die Selbstironie fördernde Satireblog danielsstachel kann seine Unterstützung nicht aufrecht erhalten, die Leser, äh Verzeihung, der eine Leser, spielt da einfach nicht mehr mit. Es sind einfach andere Artikel gefragt.

Eine letzte Ehre wird danielsstachel der Selbstironie aber noch zukommen lassen. Eine dreiwöchige Trauerphase wird es ab heute geben, in der keine Artikel veröffentlicht werden. Dass diese Trauerphase in die Haupturlaubszeit fällt, ist reiner Zufall.