Millionen von Deutschen kennen das Problem: Man kann sein Leben nicht mehr in Ruhe genießen. Wann immer man den Fernsehen oder das Radio einschaltet, die Tageszeitung aufschlägt oder einfach mal das Haus verlässt, wird einem sofort ein schlechtes Gewissen gemacht. Anderen Menschen geht es schlechter, und irgendwelche Gruppierungen meinen, wir müssten das zur Kenntnis nehmen.

Eine Lösungsansatz für dieses Problem kommt jetzt von unerwarteter Stelle. Der Discounter ALDI verbietet Obdachlosen nun, sich vor deren Filialen aufzuhalten und dort das Sozialblatt „Fiftyfifty“ zu verkaufen, wie Welt Online berichtet. Das Schöne an der Geschichte: Das Verbot ist nicht nur unbegrenzt, sondern auch noch formaljuristisch einwandfrei. Somit müssen sich die Deutschen künftig wenigstens beim Einkaufen kein schlechtes Gewissen mehr machen lassen, denn für unser soziales Bewusstsein gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Viele Deutsche fordern nun, diesen Lösungsansatz auch auf andere Probleme anzuwenden. So könnte man beispielsweise Griechenland doch aus der Eurozone schmeißen, dann würden sich alle Probleme erledigen. Man bekäme nicht mehr mit, wie es den Menschen dort geht und müsste sich auch nicht mehr mit nervigen Diskussionen um Rettungsschirme befassen.

Auch das Flüchtlingsproblem wäre so ganz einfach zu lösen. Wenn wir einfach keine Flüchtlinge mehr in Europa aufnähmen und die Schiffe mit dem Vermerk „Empfänger unbekannt“ zurückschickten, dann erledigten sich auch viele damit verbundenen Probleme. Keine Diskussionen, welches europäische Land wie viele Flüchtlinge aufnehmen müsse. Und keine Diskussionen, wo die Flüchtlinge untergebracht werden sollten, wie sie integriert werden könnten und ob sie unsere Sprache lernen müssen oder nicht.

Idealerweise würden wie aber eine Tradition beibehalten: Die Spendenmarathons. Einmal im Jahr wollen wir weiter hungernde Kinder und andere furchtbare Dinge im Fernsehen sehen. Dies bringt uns zwei große Vorteile. Als Erstes werden wir weiter daran erinnert, das es uns doch eigentlich ganz gut geht und zudem können wir uns latent vorhandenes Gewissen beruhigen, in dem wir einen Betrag spenden, der uns zwar nicht weh tut, aber ein paar der armen anderen Menschen sicher gelegen kommt.

Wer Nachteile bei diesem Modell findet, darf sich gerne bei danielsstachel melden.